Unser Karriere-Ratgeber

Vorbereitung auf die Selbständigkeit

Vor kurzem haben wir einen Artikel zum Thema “Homeoffice - Tipps zur effizienteren Heimarbeit” veröffentlicht. Heute wollen wir noch etwas tiefer in die Materie einsteigen und Euch näher bringen, was auf dem Weg zur Selbständigkeit alles zu beachten ist. Wie gehe ich dabei vor? Eine häufig gestellte Frage von jenen, die von der Faszination Selbständigkeit ergriffen wurden. Der Wunsch, die eigene Idee zu verwirklichen, endlich selbst bestimmen zu können, der eigene Boss zu sein und am besten sofort einen finanziellen Erfolg zu erzielen - das sind Träume von angehenden Selbständigen. Doch es reicht nicht aus, nur eine fantastische Idee zu haben. Man muss auch wissen, wie man diese umsetzt und vor allem, was man vor der Selbständigkeit zu beachten hat! Denn diese birgt neben vielen Vorteilen auch zahlreiche Fallen, in die man tappen kann.

Schritte zur Selbständigkeit

Freier Beruf oder Gewerbe?

Zu Beginn solltest Du Dich mit Deinem Produkt oder/und Deiner Dienstleistung auseinandersetzen und in Erfahrung bringen, ob Dein Unternehmen ein freier Beruf oder ein Gewerbe ist. In vielen Fällen ist es schwieriger festzustellen, ob es sich um einen Gewerbebetrieb handelt oder nicht. Daher sollte man sich unbedingt an das zuständige Finanzamt wenden, denn dieses weiß genau, worum es sich beim jeweiligen Unternehmen handelt. Zu den freien Berufen gehören selbständig ausgeübte Berufe, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen, wie wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Die Verdienstquelle resultiert hier aus Wissen und Erfahrung. Im Vordergrund stehen dabei der persönliche Einsatz und eine Dienstleistung. Anders bei Gewerbebetreibenden - hier wird ein Produkt hergestellt und verkauft. Dazu gehören zum Beispiel industrielle Fertigungen, Groß- und Einzelhandel und handwerksnahe Berufe. Auch hier gibt es bestimmte Ausnahmen, weshalb Ihr euch vorab immer genau informieren solltet.

Steuerliche Aspekte

Auch hier muss man zwischen einem Freiberufler und einem Gewerbebetreibenden unterscheiden. Beim ersteren ist es schnell zusammengefasst, da im freien Beruf lediglich personenbezogene Steuern anfallen. Als Freiberufler hast Du viele Vorteile. Du zahlst keine Gewerbesteuer, Du musst auch kein Gewerbe anmelden und Du musst keine doppelte Buchführung betreiben. Eine Einkommensteuer wird generell erst dann fällig, wenn die Einkünfte 8.004 Euro im Jahr übersteigen. Freiberufler müssen zwingend eine Steuernummer beim Finanzamt beantragen sowie eine Steuererklärung mit einer Einnahme-Überschuss-Rechnung einreichen. Beim Gewerbe handelt es sich um sogenannte unternehmensbezogene Steuern. Dein Unternehmen muss beim Gewerbeamt angemeldet werden. Dort werden anschließend alle weiteren notwendigen Behörden und Kammern informiert. Als Nachweis gibt es den `Gewerbeschein´. In diesem Fall fällt eine Gewerbesteuer an. Der Umsatzsteuersatz liegt in der Regel bei 19%. Vorteilhaft ist, dass hier eine Kleinunternehmerregelung möglich ist. Bei dieser kann eine Umsatzsteuerbefreiung in Anspruch genommen werden, solange ein bestimmter Grundfreibetrag nicht überschritten wird. Sobald man Angestellte in das eigene Unternehmen bringt, kommt auch noch die Lohnsteuer hinzu.

Sozialversicherung

Wichtig ist es auch, sich über die notwendigen Versicherungen zu informieren. In Deutschland sind folgende Versicherungen nicht zu umgehen:
  • Krankenversicherung: Mittlerweile ist man dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Ob es am Ende die gesetzliche oder private Versicherung wird, ist jedem selbst überlassen. Der Beitrag der gesetzlichen Krankenversicherung liegt derzeit bei 14,6% des Einkommens.
  • Pflegeversicherung: Die Pflegeversicherung ist immer an die Krankenversicherung gekoppelt. Sie ist keine Vollversicherung, deckt aber die Risiken der Pflegebedürftigkeit ab. Der Beitrag der gesetzlichen Pflegeversicherung liegt momentan bei 2,35% (Kinderlose zahlen 0,25% Zuschlag).
  • Rentenversicherung: Vom Grundsatz her ist die Rentenversicherung keine Pflicht, wobei es Ausnahmen gibt. Zu diesen gehören zum Beispiel lehrende, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten. Der Beitragssatz für die Rentenversicherung ist sei dem 1. Januar 2015 gesunken und liegt nun bei 18,7%.
  • Arbeitslosenversicherung: Die Arbeitslosenversicherung ist vollkommen freiwillig. Man muss selbst bedenken, ob diese für den einzelnen notwendig ist. Für Selbständige wird sie meist empfohlen. Der Beitragssatz liegt bei 3% und muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit beantragt werden.

Buchhaltung

Was sollten Selbständige noch beachten? Nicht zu vergessen: als Selbständiger musst Du ganz dem Wortlaut nach auch alles selbst organisieren. Niemals zu vernachlässigen ist eine gute Buchhaltung. Die oberste Regel dabei ist ‘keine Buchung ohne Beleg’. Es ist sehr wichtig, alle betrieblichen Einnahmen und Ausgaben durch Belege nachweisen zu können. Diese müssen mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden. Ein kleiner Tipp: Kopiere regelmäßig die Belege, um Verluste zu vermeiden.

Unsere Tipps, die zum Erfolg verhelfen

Somit wären die ersten und wichtigsten Schritte zur Selbständigkeit erledigt! Nun kommt es darauf an, wie Du Dich und Dein Unternehmen erfolgreich in Szene setzt. Hier sind ein paar hilfreiche Tipps, Dein Unternehmen gezielter zum Erfolg zu bringen:

Zielsetzung

Eine der Grundvoraussetzungen für Deinen Erfolg. Welches Ziel muss, soll und kann erreicht werden? Welche Maßnahmen führen Dich zu dem gewünschtem Ziel? Und welches Ergebnis soll am Ende dabei rauskommen? Eine gute Hilfe für die Zielsetzung ist die SMART Methode: Spezifisch: setze Deine Ziele genau! Messbar: setze Deine Ziele mit Sinn und Bedacht! Attraktiv: setze Ziele, die Dich motivieren! Realistisch: setze Ziele, die realisierbar sind! Terminiert: setze Ziele nach einem Zeitplan!

Zeitmanagement

Kennst Du nicht auch diese ‘Zeitdiebe’, die Dich von der eigentlichen Arbeit ablenken und Deine kostbare Zeit stehlen? Dazu zählen eine mangelnder Motivation, das Surfen im Internet und das Lesen unwichtiger Informationen? Folglich kommen ein überfüllter Schreibtisch, keine eindeutigen Arbeitsnachweise und lästige Unterbrechungen zusammen. Leider gibt es sehr viel Zeit kostende Faktoren, obwohl wir die Zeit doch so dringend brauchen! Daher ganz wichtig: Lerne Deine Zeit zu managen!

10 Regeln, die Dir Dein Zeitmanagement erleichtern

  • Ein Zeitlimit setzen: Setze feste Arbeitszeiten und halte Dich an diese. Gib bestimmten Aufgaben ein Zeitlimit, bis wann sie fertig werden müssen.
  • Pufferzeiten einplanen: Plane etwas Zeit ein, falls ein Projekt länger braucht, als erwartet. So vermeidest Du unter anderem Frustration.
  • “Eat that frog”: Erledige die unangenehmen Aufgaben zuerst! Dann arbeitet es sich entspannter.
  • Checklisten für Routineaufgaben: Eine Checkliste erspart Dir etwas Zeit und bringt Ordnung in Routineaufgaben.
  • Erstelle eine To Do - Liste: Notiere Deine Aufgaben und arbeite sie Schritt für Schritt ab.
  • Prioritäten setzen: Erledige die wichtigsten Aufgaben zuerst, um nicht in Zeitdruck zu geraten.
  • Organisiert arbeiten: Setze Dir selbst Termine, führe einen Kalender und notiere alles Wichtige.
  • Arbeit von Privatem trennen: Richte Dir ein Heimbüro ein, falls Du kein externes Büro hast. Erledige Deine Arbeit während der Arbeitszeit und nicht in der Freizeit.
  • Freizeit: Nimm Dir Zeit, um Dinge außerhalb der Arbeit zu machen und zu entspannen.
  • Anfangen: Halte Dich an Deine Regeln und schiebe Sachen nicht auf.
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