Unser Karriere-Ratgeber

Beruf und die Persönlichkeit

Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit, die ihn einzigartig macht. Das Wissen um die eigenen Schwächen und Stärken ist nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich wichtig – auch für den Beruf kann das Wissen um die Persönlichkeit sehr hilfreich sein.

Heute wissen wir, dass die Ausprägungen von Persönlichkeitseigenschaften zur Hälfte vererbt werden. Die andere Hälfte können wir bis zu 40% durch eigenes Handeln beeinflussen und ca. 10% unserer Persönlichkeit wird durch unsere Lebensumstände bestimmt.

Fünf-Faktoren-Modell (Big Five)

In der Forschung hat sich ein weltweit akzeptiertes Modell etabliert, mit dem man Menschen aufgrund von Persönlichkeitseigenschaften voneinander unterscheiden kann: das so genannte Fünf-Faktoren-Modell – auch als die “Big Five” bekannt.

Bei den Big Five handelt es sich um ein Modell der Persönlichkeitspsychologie, das fünf Hauptdiemensionen der Persönlichkeit feststellt. Jeder Mensch lässt sich demnach auf den Skalen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit, einordnen.

Im Folgenden werden wir die Begriffe genauer erläutern.

Neurotizismus: Mit diesem Begriff ist die emotionale Labilität einer Person gemeint. Je ausgeprägter der Neurotizismus-Wert bei einer Person ist, desto emotional labiler ist sie. Dies bedeutet, dass sie häufiger Ängste, Anspannung, Unsicherheit etc. erlebt. Besonders niedrige Werte bedeuten hingegen eine emotionale Stabilität. Personen mit niedrigen Werten sind eher ruhig, zufrieden, entspannt und sicher.

Extraversion: Personen mit hohen Werten sind gesellig, aktiv, gesprächig, optimistisch etc. – also extrovertiert. Intorvertierte Menschen, also diejenigen die besonders niedrige Werte bei diesem Faktor aufweisen, sind eher zurückhaltend, gerne allein und unabhängig.

Offenheit für neue Erfahrung: Mit diesem Faktor wird das Interesse und die Beschäftigung mit neuen Erfahrungen und Eindrücken beschrieben. Personen mit hohen Werten sind meist wissbegierig, intellektuell, fantasievoll, künstlerisch begabt und bevorzugen Abwechslungen.
Weisen Personen hingegen niedrige Werte auf, ziehen sie Bekanntes dem Neuen vor.

Gewissenhaftigkeit: Personen mit hohen Werten sind sorgfältig, organisiert, zuverlässig und haben ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Wenn eine Person hingegen niedrige Gewissenhaftigkeits-Werte hat, so ist sie eher spontan, ungenau und unsorgfältig. Mit diesem Faktor werden also die Ausprägungen in Genauigkeit, Selbstkontrolle und Zielstrebigkeit gemessen.

Verträglichkeit: Mit diesem Faktor wir das interpersonelle Verhalten gemessen.
Personen mit hohen Werten sind altruistisch, verständnisvoll, hilfsbereit und haben ein hohes Mitgefühl. Personen mit niedrigen Werten sind widerstreitend, egozentrisch, misstrauisch etc.

An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass diese Eigenschaften eigentlich nicht wirklich existieren. Die Einordnung dient lediglich als Hilfsmittel um die Unterschiede zwischen Personen festzumachen, die anhand von stabilen Verhaltensmustern in ähnlichen Situationen erschlossen werden.

Beispiel: Wenn Person A von ihren Mitmenschen oft um Hilfe gebeten wird, und sie in den meisten Fällen diese erfragte Hilfestellung leistet, so kann man sagen, dass Person A hilfsbereit ist.

Big Five und Berufe

Beruflicher Erfolg hängt von vielen Variablen ab, zum größten Teil jedoch ist er auch von verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen abhängig. Es zeigt sich, dass für die verschiedenen Berufe, spezifische Big Five Profile erfolgreicher sind als andere.

Gute Führungskräfte oder Verkäufer z.B. weisen meist niedrige Neurotizismus-Werte auf, sind also weniger emotional. Kundendienstmitarbeiter, Sozialarbeiter und Lehrer weisen hingegen eher hohe Neurotizismus-Werte auf. Sie reagieren in der Regel sensibel auf die Gefühle ihrer Kunden bzw. Schüler und können somit erfolgreicher in ihren Positionen sein. Gute Verkäufer hingegen, weisen sehr hohe Werte im Faktor Extraversion auf. Sie sind aktiv, gesellig, gehen auf Menschen zu und können sich durchsetzen.

Auch kann für Personaler interessant sein, welche Big-Five Werte ihre Mitarbeiter aufweisen. Bei der Entwicklung von Teams beispielsweise, wäre es nützlich, wenn Mitarbeiter unterschiedliche Big Five Ausprägungen haben. Natürlich wird dadurch das Konfliktpotenzial erhöht. Doch was noch essentieller ist: die Vielfalt unter den Arbeitnehmern sichert eine hohe Anpassung an unterschiedliche Situationen. Dies kann sich als äußerst profitabel und erfolgreich für ein Unternehmen erweisen.

Die Big Five Faktoren können zudem eingesetzt werden, um die persönlichen Merkmale von Personen hinsichtlich ihrer Berufswahl und ihrer Karriereentwicklung zu untersuchen. Dabei wird neben einer Selbstbeurteilung auch häufig eine Fremdbeurteilung eingesetzt. So werden in Assessment Centern oft die Bewerber in ihrem Verhalten beobachtet und nach den Big Five eingestuft.

Ihr wollt auch wissen, wie Eure Big Five-Ausprägungen sind? Hier geht es zum Test!

Titelbild: Fotolia.com – @lassedesignen