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Lücken im Lebenslauf: So kannst du sie umgehen!

Dass keine berufliche Karrierelaufbahn perfekt verläuft, ist völlig normal, aber eins lässt viele Personaler aufhorchen: Lücken im Lebenslauf. Für Unregelmäßigkeiten kann es viele Gründe geben: Studienabbruch, Jobwechsel oder auch vorzeitige Kündigung. Zeiten in denen ihr auf Jobsuche seid, sind an sich nicht verwunderlich, geben aber Raum für Spekulationen und wecken Neugier. Personaler haben einen geschulten Blick und können daher diese “Schönheitsfehler” in Lebensläufen schnell ausfindig machen. Wir zeigen euch wie ihr mit Lücken umgehen solltet, damit euer Lebenslauf einen guten Eindruck hinterlässt.

Was gilt überhaupt als Lücke?

Arbeitslosigkeit, Krankheiten, freiwillige Auszeiten oder längere Reisen. Eine Lücke im Lebenslauf entsteht schneller als man denkt. Wann man von einer Lücke sprechen kann, ist dabei nicht klar definiert. Als Faustregel gilt: Zeiträume, die länger als ein bis zwei Monate gehen und nicht erklärt werden, gelten als Lücke. Beispiel: ein ausgedehnter Urlaub von vier Wochen oder eine Auszeit nach Studienabschluss oder zwischen zwei Jobs. Eine längere Phase in der ihr auf der Suche nach dem richtigen Job wart, ist völlig legitim. Das kann manchmal auch sechs bis acht Wochen dauern. Aber nach etwa zwei Monaten kann es kritisch werden. Durch Lügen, Kaschieren und Vertuschen könnt ihr nicht viel erreichen. Im Gegenteil: Sollte sich herausstellen, dass ihr an einer Stelle im Lebenslauf nicht ganz ehrlich wart, steht eure Glaubwürdigkeit in Frage. Lücken sind also Phasen, in denen man weder eine dauerhafte Beschäftigung, eine Berufsausbildung, ein Studium, ein Praktikum oder auch eine Weiterbildung vorweisen kann. Der Verdacht: Der Bewerber war in diesem Zeitraum arbeitslos. Besonders auffällig werden Lücken, wenn ihr als Bewerber Jahresangaben statt Monatsangaben im Lebenslauf macht: Lücken im Lebenslauf Auch die Erstellung eines Erfahrungsprofils statt eines chronologischen Lebenslaufs lässt auf Lücken schließen. Dabei werden meist Qualifikationen ohne zeitliche Anordnung angegeben: Lücken im Lebenslauf Diese Art der Angaben sind für Personaler natürlich nichts Neues. In solchen Fällen vermuten sie oft einen Täuschungsversuch und haken nach, falls es überhaupt zum Bewerbungsgespräch kommen sollte.

Falsche Taktiken

Wer durch Lügen versucht Lücken im Lebenslauf zu vertuschen hat schlechte Karten. Das Erfinden von Tätigkeiten oder Weiterbildungen kann dann im Jobinterview verheerend sein. Solltet ihr in Erklärungsnot geraten, sind eure Chancen auf die neue Stelle schnell verspielt. Falsche Angaben im Lebenslauf sind auch nachträglich ein fristloser Kündigungsgrund. Im Vorstellungsgespräch sind sie daher ein K.O.-Kriterium.

Die richtigen Strategien

Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten mit Lücken umzugehen:
  • Füllt die Lücken mit glaubwürdigen Fakten
  • Seid ehrlich und findet eine angemessene Erklärung

Ehrlichkeit siegt

Es gibt auch Lücken, die eigentlich keine sind und bei jedem Personaler auf Verständnis stoßen: Studienwechsel: Ihr habt euch für den falschen Studiengang entschieden, weil euch das Fach leider doch nicht liegt. Jetzt wollt ihr euch neu orientieren, müsst allerdings auf den nächsten freien Platz warten. Das ist keineswegs schlimm und lässt sich durch Hochschulbürokratie erklären. Erst wenn ihr in regelmäßigen Abständen euer Fach wechselt, wirft es ein schlechtes Licht auf euch. Nutzt die Wartezeit lieber sinnvoll, z.B. durch Praktika oder Mitarbeit in einer Studentenorganisation. Auch der Abbruch eures Studiums ist eigentlich keine Lücke, wenn ihr euch aktiv um Alternativen bemüht und euch schnell umorientiert. Berufseinstieg: Sollte euer Berufseinstieg länger dauern als geplant, ist es kein Beinbruch. Die meisten Personaler haben dafür Verständnis und nehmen es euch nicht übel. Vor allem als Berufseinsteiger habt ihr das Glück eine verlängerte Schonfrist bis zu sechs Monaten zu genießen. Diese Zeit sollte dann allerdings effektiv mit Praktika oder Nebenjobs genutzt werden. Krankheit: Solltet ihr über eine längere Zeitspanne krank sein, solltet ihr das weder beschönigen noch verschweigen. Die Erkrankung müsst ihr auch nicht näher erläutern, da es Privatsache ist. Es reicht wenn ihr den Zeitraum genau eingrenzt und beschreibt, worum es sich handelt: “Auszeit aus gesundheitlichen Gründen, inzwischen vollständige Genesung” oder, falls ihr ein krankes Familienmitglied gepflegt habt: “Pflege der schwer erkrankten Mutter”. (Kurzzeitige) Arbeitslosigkeit: Auch eine temporäre Arbeitslosigkeit in der Vergangenheit muss nicht verschwiegen werden. Letztlich habt ihr im Anschluss auch einen Arbeitsplatz gefunden! Solche Phasen sind nicht ungewöhnlich. Um euren guten Willen und Engagement zu beweisen, solltet ihr erwähnen was genau ihr unternommen habt, um einen neuen Job zu finden.

Weltreise

Eine Weltreise, die mehr als ein halbes Jahr dauert als Urlaub zu bezeichnen wäre in vielen Fällen abwegig. Schließlich erfordert eine längere Reise viele Kompetenzen, die sich jedes Unternehmen wünscht: Zeitmanagement, Budgetplanung, interkulturelle Kompetenz, Risikobereitschaft, Weltoffenheit etc. Außerdem kann man nebenbei durch das Erlernen einer neuen Sprache auftrumpfen. Gerade in Zeiten der Globalisierung macht euch eine Weltreise zu einem interessanten Kandidaten, der durch vielfältige Erfahrungen aus dem Bewerberprofil heraussticht. Sollte ein Personaler eure Weltreise als “Lücke” betrachten, könnt ihr genau erläutern in welcher Weise euch die Reise weitergebildet hat, und was für wertvolle Erfahrungen ihr in dieser Zeit gesammelt habt. Macht euch nicht zu viele Sorgen, und lasst euch bei Unverständnis nicht aus der Fassung bringen. Wenn ihr plausibel argumentiert, könnt ihr durch eine Weltreise viele Pluspunkte sammeln!

Unverschuldete Kündigung

Es gib jedoch auch Situationen, die erklärungsbedürftig sind und auch eigene Fehler und Schwächen aufdecken. Aber: Kein Lebenslauf muss perfekt sein, und Fehler gehören dazu. Steht zu euren Schwächen und erläutert, wie es dazu kommen konnte, und was ihr daraus gelernt habt. Hat eure Firma Insolvenz beantragt oder wurde eure Abteilung aus Budgetgründen oder Firmenfusionen aufgelöst, müsst ihr euch darüber nicht den Kopf zerbrechen. Sollte euer ehemaliger Arbeitgeber aus wirtschaftlichen Gründen Konkurs gemacht haben, trifft euch natürlich keine Schuld. In eurem Lebenslauf könnt ihr eure Entlassung dann einach so formulieren: “10/2013 bis 08/2014 Tätigkeit als Marketing Assistent bei der Firma X (Kündigung wegen Insolvenz)”.

Selbstverschuldete Kündigung

Solltet ihr aufgrund häufiger Fehler, einer ineffizienten Arbeitsweise oder Antipathie gefeuert worden sein, solltet ihr euch nicht um Kopf und Kragen reden. Beteuerungen und langatmige Begründungen sind nicht nötig: Ein Lebenslauf beschränkt sich schließlich auf Fakten! Mit einigen wenigen Tricks könnt ihr den “Schaden” aber eingrenzen, um nicht in einem schlechten Licht darzustehen.

Formulierung und Layout

Bereits eine angemessene Formulierung reicht aus. Erwähnt dabei die Kündigung, aber nicht den Grund. Rechtfertigungen und Erklärungsversuche haben im Lebenslauf nichts zu suchen und wirken unprofessionell. Beschränkt euch auschließlich auf den Zeitraum der Beschäftigung und vermeidet lange Ausschweifungen. Auch das Layout spielt eine wichtige Rolle: entscheidet ihr euch für eine chronologische Reihenfolge, fällt die Kündigung schnell auf, wenn sie lange zurückliegt. Bei der amerikanischen Variante, in der die aktuellsten Daten zuerst aufgeführt werden, erscheint die Kündigung dann erst auf der zweiten Seite euer Bewerbung. Passt daher die Varianten am besten so an, dass die Kündigung nicht sofort ins Auge fällt.

Dauerhafte Arbeitslosigkeit

Im Falle einer anhaltenden Arbeitslosigkeit solltet ihr kreativ werden. Vermeidet am besten den Verdacht, dass ihr die Zeit mit Nichtstun und Faulenzen verbracht habt. Auch hier ist die richtige Formulierung ein wichtiger Faktor. Listet auf, durch welche Tätigkeiten ihr euch während der Arbeitssuche weitergebildet habt: Reisen, Sprachkurse, Fortbildungen, oder auch Praktika und Hospitanzen. So könnt ihr unvermeidbare Lücken vorteilhaft darstellen. Die richtige Wortwahl ist dabei besonders wichtig. Verwendet statt arbeitslos lieber den Begriff arbeitssuchend, da es im jeden Fall aktiver klingt. Erwähnt außerdem Maßnahmen wie Selbststudium, in dem ihr beispielsweise eure MS-Office-Kenntnisse oder eure soziale Kompetenz erweitert habt, z.B. durch ehrenamtliche Mitarbeit in einem Verein oder Kursen an eine Volkshochschule.

Fazit

Lücken im Lebenslauf lassen sich nur selten vollkommen verhindern und sind nur in seltenen Fällen ein Ausschlusskriterium. Wichtig ist, zu seinen Schwächen zu stehen und sie plausibel zu erklären. Umwege signalisieren auch oft, dass ihr als Bewerber flexibel seid und keine Angst vor Veränderungen habt. Titelbild: Fotolia.com - ©alphaspirit