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Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz. Was tun?

Mobbing ist schon seit langem vielen ein Begriff, der vor allem in Zusammenhang mit der Berufswelt auftritt. Der Psychoterror am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung zugenommen. Die Ursachen für Mobbing können dabei sehr verschieden sein. Studien belegen, dass in Zeiten wirtschaftlicher Rezession die Zahl der Mobbingopfer proportional zunimmt. Hierbei ist gewisser Zusammenhang mit der Finanzkrise der letzten Jahre und der Zunahme von Mobbingopfern relevant, zumal in Krisensituationen die Anspannung und der Kampf um das “Überleben” zunehmen. Eine besondere Form des Mobbing ist das sogenannte Bossing. Vorgesetzte, nutzen hierbei die ungleichen Machtverhältnisse aus um ihre Mitarbeiter zielgerichtet zu schikanieren. Die ständigen Sticheleien und das gezielte Ausgrenzen haben dabei oft schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen.

Wie äußert sich Mobbing?

Zu den häufigsten Formen von Mobbing zählen laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin das Verbreiten von Gerüchten und Unwahrheiten. Auch das falsche und ungerechte Bewerten von Arbeitsleistung treten häufig auf. Hierbei unterscheidet sich Mobbing deutlich von einfacher Kritik oder harmlosen Meinungsverschiedenheiten. Charakteristisch für das Mobbing ist der Zeitfaktor. Hierbei handelt es sich vor allem um einen Prozess, der mit systematischer Häufigkeit über einen längeren Zeitraum auftritt. Ein weiterer häufig auftretender Faktor ist das Ignorieren und Ausschließen aus Gesprächen. Die betroffenen Opfer sind dabei über mehrere Monate hinweg mit einem Gefühl von Isolation und Diskriminierung konfrontiert, mit dem Ziel aus dem Betrieb “rausgeekelt” zu werden.

Die Folgen von Mobbing

Die gesundheitlichen Auswirkungen sind vielfältig. Nicht nur psychische Schäden wie Depressionen oder ein ausgeprägtes Angstgefühl können auftreten. Auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit kommen hinzu. Zudem häufen sich bei Betroffenen krankheitsbedingte Ausfälle, die in langfristiger Hinsicht auch dem Unternehmen schaden.

Hilfe bei Mobbing

Wichtig für Betroffene ist Mobbing in jedem Fall ernst zu nehmen. Durch das Ignorieren und Abwarten bis sich die Lage von selbst verbessert, kann dieser Zustand kaum geändert werden. Im Gegenteil: durch ständiges Ignorieren fühlen sich Kollegen in ihrem Verhalten bestätigt und versuchen dann intensiver vorzugehen. Der erste Schritt um Mobbing zu bekämpfen, ist aktiv zu werden, um sich nicht in die Opferrolle einzufügen. Oftmals kann bereits eine Kontaktaufnahme mit dem Aggressor helfen. Durch ein klärendes Gespräch unter vier Augen kann versucht werden den Grund für das Verhalten des jeweiligen Kollegen zu verstehen, um so den Konflikt im Idealfall zu schlichten. Wichtig ist sachlich zu bleiben und niemals jemanden persönlich anzugreifen. Hierbei gilt: Je früher ihr reagiert desto besser! Häufig verlieren Mobber schnell das Interesse an Kollegen, die sich zur Wehr setzen und ihr Verhalten hinterfragen, da sie nicht mit Widerstand rechnen. Sollte sich die Situation nach der Aussprache nicht verbessern, könnt ihr euch Hilfe bei Kollegen oder Vorgesetzten suchen, denen ihr vertraut. Vorgesetzte sind verpflichtet bei Mobbing erforderliche Maßnahmen wie Abmahnungen, Umsetzungen oder Versetzungen durchzuführen. Auch das Involvieren von Gleichstellungsbeauftragten oder dem Betriebsrat sind gute Möglichkeiten, um die Situation zu klären. Tipp: Eine Aussprache mit der Familie, dem Partner oder mit Freunden spielt zusätzlich eine wichtige Rolle. Durch den Rückhalt und die moralische Unterstützung kann der Frust am Arbeitsplatz besser bewältigt werden. Sollten all diese Stategien nichts bewirken, könnt ihr von eurem Beschwerderecht gebraucht machen. In vielen Fällen reicht sogar die Androhung von Strafanzeigen aus um die Mobber in die Schranken zu weisen. Viele Mobbinghandlungen wie beispielsweise Verleumdung sind rechtswidrig und können angezeigt werden. In diesem Fall ist es wichtig die Beschwerde schriftlich zu verfassen und Zeit und Ort der Mobbingattacken anzugeben. Leider sind viele Anzeigen in Bezug auf Mobbing nicht sehr erfolgsversprechend, da vor Gericht meistens Aussage gegen Aussage steht. Aus diesem Grund ist es notwendig relevante Emails und wichtige Zeugen zu finden, die für euch aussagen können. Tipp: Das Führen eines “Mobbingtagebuchs” kann im Falle einer Gerichtsverhandlung auch von Vorteil sein. Das schriftliche Dokumentieren feindseliger Handlungen oder auch eventueller Arztbesuche hilft, um die Mobbingattacken nachweisen zu können. Wenn Mobbing rechtzeitig erkannt und bekämpft wird, muss es gar nicht erst zu strafrechtlichen Maßnahmen kommen. Wichtig ist für die Betroffenen sowohl mit den Mobbern als auch mit Kollegen und Vorgesetzten den Dialog zu suchen um so den Konflikt zu bekämpfen bevor es zur Eskalation kommt. Eine friedliche Lösung liegt hierbei auch im Interesse des Unternehmens, das neben dem gestörten Arbeitsklima, einer verminderten Leistungsfähigkeit von Mobbingopfern auch mit einem einem großen Imageschaden für die Firma rechnen muss. Sollten diese Maßnahmen erfolglos bleiben müsst ihr abwägen ob ein neuer Arbeitsplatz nicht die bessere Lösung wäre. Je nachdem wieviel euch an eurem jetzigen Arbeitsplatz liegt und wie sehr ihr ihr an der Situation leidet, sollte ihr selbstständig entscheiden, ob ihr nicht doch kündigen solltet, da ein feindseliges Arbeitsklima auch nach einer Aussprache häufig bestehen bleiben kann. Titelbild: Fotolia.com - ©Photographee.eu