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Arbeitszeugnis - Was darf, was muss und was nicht?

In einem Arbeitszeugnis soll Auskunft darüber gegeben werden, wie lange ein Arbeitnehmer einer Tätigkeit in einem Unternehmen nachgegangen ist, welche Fähigkeiten und Kenntnisse er erworben hat und wie sein Verhalten war. Für viele Arbeitgeber sind Arbeitszeugnisse eine Hilfe, um den potenziellen Arbeitnehmer besser einschätzen zu können. Folglich können Arbeitszeugnisse einen positiven, als auch einen negativen Eindruck hinterlassen und über weitere Berufswege des Arbeitnehmers entscheiden. Arbeitgebern werden vom Arbeitsrecht klare Vorgaben gemacht, wann und vor allem, wie ein Arbeitszeugnis zu verfassen ist. Die Leistungen des Arbeitnehmers müssen wahrheitsgemäß und wohlwollend dargestellt werden. Dabei hat jeder Arbeitnehmer nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses ein Recht auf die Aushändigung eines Arbeitszeugnisses. Drei Jahre nach Ende des Arbeitsverhältnisses, verschwindet der Anspruch auf das Arbeitszeugnis.

Das einfache und das qualifizierte Arbeitszeugnis

Es gibt sowohl bei einem Arbeits- als auch bei einem Praktikumszeugnis zwei Varianten des Zeugnisses: Das einfache Arbeitszeugnis und das qualifizierte Arbeitszeugnis. Im einfachen Arbeitszeugnis werden Angaben zu den Personalien und Art und Dauer der Beschäftigung gegeben. Es gibt keine Auskunft über die Aufgaben und die Leistungseinschätzung des Arbeitnehmers. Das qualifizierte Arbeitszeugnis hingegen, wird durch die Beurteilung der Leistungen und der sozialen Kompetenz des Arbeitnehmers erweitert. Häufig stellen Arbeitgeber automatisch das qualifizierte Arbeitszeugnis aus. Wenn jedoch ein einfaches Arbeitszeugnis ausgestellt wird, der Arbeitnehmer aber ein qualifiziertes Arbeitszeugnis wünscht, liegt es am Arbeitnehmer, seinen Vorgesetzten um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses anzusprechen. Die Aushändigung des Arbeitszeugnisses erfolgt üblicherweise am letzten Arbeitstag des Arbeitnehmers. Es ist aber auch möglich, es auf dem Postweg nachzusenden - allerdings ist der Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, es auf diesem Wege zu machen.

Formale Vorgaben und Inhalt

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz verbietet es Arbeitgebern, bestimmte Informationen im Arbeitszeugnis preiszugeben. Zu diesen zählen Hinweise, die auf die Religion, Ethnie, sexuelle Orientierung oder den Gesundheitszustand etc. schließen lassen. Zusätzlich zu den rechtlichen Grundlagen, besteht für das Arbeitszeugnis die sogenannte “Wohlwollenspflicht”. Laut dieser ist es Arbeitgebern nicht gestattet, Informationen in das Zeugnis einzubringen, die sich für den Arbeitnehmer bei der künftigen Jobsuche nachteilig auswirken könnten. Das Arbeitszeugnis muss stets in Textform ausgestellt werden. Zudem ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, das Arbeitszeugnis per Hand zu unterschreiben. Somit sind digitale Formen des Zeugnisses ausgeschlossen. Das Arbeitszeugnis muss frei von inhaltlichen und orthographischen Fehlern sein. Sollte sich doch ein Fehler eingeschlichen haben, so darf man den Arbeitgeber dazu auffordern, diesen zu berichtigen. Ein Zeugnis darf keine zweideutigen Formulierungen enthalten. Es muss eindeutig und klar verständlich formuliert sein. Arbeitgeber nutzen oft verschlüsselte Nachrichten, deshalb empfiehlt es sich, das Zeugnis auf solche sogenannten "Geheimcodes" zu untersuchen. Ein Beispiel dafür wäre: Der Arbeitnehmer XY zeigte ein gesundes Selbstvertrauen. Was als eine nette Formulierung verpackt wird, kann sich als eine negative Eigenschaft herausstellen. Denn impliziert wird Überheblichkeit und schlechtes Fachwissen. In der Regel wird das Zeugnis auf dem Briefpapier des Betriebs ausgestellt. Somit wird der Dokumentencharakter verstärkt und entspricht den Vorgaben für die äußere Form. Ausgenommen von dieser Regelung sind Knicke, die beispielsweise durch das Versenden per Post entstehen können. Titelbild: Fotolia.com - ©klickerminth